„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. 1. Johannes 1,9
Moses Abwesenheit bedeutete für Israel Warten und Ungewißheit. Es wußte, daß er mit Josua auf den Berg gestiegen und in die dichte, dunkle Wolke hineingegangen war. Man sah von der Ebene aus, wie sie auf der Bergesspitze ruhte und von Zeit zu Zeit von den Blitzen der Gegenwart Gottes erleuchtet wurde. Ungeduldig warteten die Hebräer auf Moses Rückkehr. Da sie von Ägypten Gottheiten aus irdischen Stoffen gewöhnt waren, fiel es ihnen schwer, einem unsichtbaren Wesen zu vertrauen. Sie verließen sich ganz auf Mose als Stütze ihres Glaubens. Nun war er ihnen genommen. Tag um Tag, Woche um Woche verging, und noch immer war er nicht zurückgekommen. Obwohl die Wolke noch zu sehen war, dachten viele im Lager, ihr Führer habe sie verlassen oder sei von dem Feuer verzehrt worden. PP 290.1
Weil sie in seiner Abwesenheit ihre Hilflosigkeit empfanden, kehrten sie zu der alten Abgötterei zurück. Das „fremde Volk“ (2.Mose 12,38) erlaubte sich als erstes, Murren und Unwillen zu äußern. Sie waren auch die Anführer bei dem Abfall, der nun folgte. PP 291.1
Während Moses Abwesenheit war Aaron die richterliche Amtsgewalt übertragen worden. Eine riesige Menge versammelte sich nun um sein Zelt und forderte: „Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.“ PP 291.2
Weil Aaron um seine Sicherheit fürchtete, gab er den Forderungen der Menge nach, statt mutig für die Ehre Gottes einzutreten. PP 292.1
Wie oft wird heutzutage die Vergnügungssucht mit dem „Schein eines gottesfürchtigen Wesens“ (2.Timotheus 3,5) bemäntelt! Eine Religion, die bei der Beobachtung gottesdienstlicher Bräuche den Leuten erlaubt, selbstischen oder sinnlichen Genüssen zu frönen, gefiele den Menschen heute ebensogut wie in den Tagen Israels PP 292.2
„In allem, was den Erfolg des Werkes Gottes betrifft, müssen die allerersten Siege im Familienleben errungen werden. Hier muss die Vorbereitung auf den Sabbat beginnen. Während der ganzen Woche sollen Eltern daran denken, dass ihr Zuhause eine Schule sein soll, in der ihre Kinder auf die himmlischen Gefilde vorbereitet werden. Mögen ihre Worte richtige Worte sein. Keine Worte, die ihre Kinder nicht hören sollten, dürfen über ihre Lippen kommen. Möge der Geist frei von Gereiztheit bleiben. Eltern, lebt während der Woche so, als stünde ein heiliger Gott vor euch, der euch Kinder gegeben hat, damit ihr sie für Ihn erzieht. Erzieht für Ihn die kleine Gemeinde in eurem Zuhause, damit am Sabbat alle bereit sind, im Heiligtum des Herrn Gottesdienst zu feiern. Bringt eure Kinder jeden Morgen und jeden Abend vor Gott als Sein durch Sein Blut erkauftes Erbe. Lehrt sie, dass es ihre höchste Pflicht und ihr höchstes Privileg ist, Gott zu lieben und Ihm zu dienen.“ 6T 354.1
„Eltern sollten besonders darauf achten, die Anbetung Gottes zu einem anschaulichen Beispiel für ihre Kinder zu machen. Bibelstellen sollten öfter auf ihren Lippen sein, besonders jene, die das Herz auf den Gottesdienst vorbereiten. Die kostbaren Worte sollten oft wiederholt werden: „Meine Seele, warte nur auf Gott; denn meine Hoffnung kommt von ihm.“ Psalm 62,5. 6T 354.2
„Wenn der Sabbat auf diese Weise bedacht wird, wird das Weltliche nicht in das Geistliche eindringen können. Keine Pflicht, die die sechs Arbeitstage betrifft, wird für den Sabbat übrigbleiben. Während der Woche werden unsere Kräfte nicht so sehr durch weltliche Arbeit erschöpft sein, dass wir an dem Tag, an dem der Herr ruhte und sich erquickte, zu müde wären, um uns in Seinem Dienst zu engagieren. 6T 354.3
„Zwar sollen die Vorbereitungen für den Sabbat die ganze Woche über getroffen werden, doch ist der Freitag der besondere Vorbereitungstag. Durch Mose sprach der Herr zu den Kindern Israels: „Morgen ist der heilige Sabbat, der dem Herrn geweiht ist: Backt heute, was ihr backen wollt, und kocht, was ihr kochen wollt; und was übrig bleibt, legt für euch auf, damit es bis zum Morgen aufbewahrt bleibt.“ „Und das Volk ging umher und sammelte es [das Manna] und mahlte es in Mühlen oder zerstoß es im Mörser und backte es in Pfannen und machte Kuchen daraus.“ 2. Mose 16,23; 4. Mose 11,8. Es gab etwas zu tun bei der Zubereitung des vom Himmel gesandten Brotes für die Kinder Israels. Der Herr sagte ihnen, dass diese Arbeit am Freitag, dem Vorbereitungstag, erledigt werden müsse. Dies war eine Prüfung für sie. Gott wollte sehen, ob sie den Sabbat heilig halten würden oder nicht.“ 6T 354.4
Um … ein Christ, ein wahrhaft religiöser Mensch zu sein, muss man zuallererst sein gesamtes Wesen ordnen und seine Kraft, seine Energie, seine Mittel und seine Zeit richtig lenken, koordinieren und nutzen. Wer es versäumt, diese ganzheitliche vierfache Lebensordnung zu verwirklichen, kann niemals wahren Erfolg erlangen. Dazu muss er „aus jeder unerbittlichen Minute sechzig Sekunden Laufstrecke herausholen“, aus jeder Arbeits- oder Ruhestunde sechzig Minuten maximaler Anstrengung und Leistung und aus jeder Bewegung oder jedem Zug höchste Effektivität. Kurz gesagt, er muss jede verschwendete Bewegung beseitigen, ebenso wie jede gedankenlose, umständliche Doppelung und Überschneidung von Bewegungen, die keine Ergebnisse bringen, sondern nur seinen Vorrat an Reserveenergie erschöpfen. Die Arbeit eines solchen durch und durch christlichen Menschen wird niemals schlampig oder auf gut Glück erledigt sein.
Lies Hosea 6. Was fällt dir hier konkret auf, wie Gott sich selbst in seinem Aufruf zur Umkehr beschreibt?
Während des halben Jahrhunderts vor der assyrischen Gefangenschaft glich die Ungerechtigkeit in Israel der in den Tagen Noahs und jeder anderen Zeit, in der Menschen Gott verwarfen und sich ganz der Sünde überließen. Die Erhöhung der Natur über den Gott der Natur, die Anbetung des Geschöpfs anstelle des Schöpfers hatten stets die gröbsten Verderbtheiten zur Folge. So löste sich das Volk Israel, als es durch seine Anbetung Baals und der Astarte den Naturgewalten höchste Verehrung zollte, von allem, was aufrichtete und veredelte, und wurde eine leichte Beute der Versuchung. Da die innere Schutzwehr niedergerissen war, gab es für die irregeführten Anbeter keine Schranken mehr, die sie vor der Sünde bewahren konnten, und sie lieferten sich den bösen Leidenschaften des menschlichen Herzens aus.PK 200.1
Die Sünder erhielten reichlich Gelegenheit, sich zu ändern. In der Stunde ihrer tiefsten Abtrünnigkeit und größten Not enthielt Gottes Botschaft für sie Vergebung und Hoffnung. „Israel“, so verkündete der Herr, „du bringst dich ins Unglück; denn dein Heil steht allein bei mir. Wo ist dein König, der dir helfen kann ...?“ Hosea 13,9.10. PK 201.1
„Kommt, wir wollen wieder zum Herrn“, flehte der Prophet; „denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, daß wir vor ihm leben werden. Laßt uns darauf achthaben und danach trachten, den Herrn zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet.“ Hosea 6,1-3. PK 201.2
Denen, die den jahrhundertealten Plan zur Errettung von Sünden aus Satans umgarnender Macht aus den Augen verloren hatten, bot der Herr Wiederherstellung und Frieden an. Er verkündete: „So will ich ihre Abtrünnigkeit wieder heilen; gerne will ich sie lieben; denn mein Zorn soll sich von ihnen wenden. Ich will für Israel wie ein Tau sein, daß es blühen soll wie eine Lilie, und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie ein Linde und seine Zweige sich ausbreiten, daß es so schön sei wie ein Ölbaum und so guten Geruch gebe wie die Linde. Und sie sollen wieder unter meinem Schatten sitzen; von Korn sollen sie sich nähren und blühen wie ein Weinstock. Man soll sie rühmen wie den Wein vom Libanon. Ephraim, was sollen dir weiter die Götzen? Ich will dich erhören und führen, ich will sein wie eine grünende Tanne; von mir erhältst du deine Früchte. PK 201.3
Diese Verbindung mit Christus muß, wenn sie einmal entstanden ist, aufrechterhalten werden. Der Herr sagte: „Bleibet in mir und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von sich selber, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir.“ Johannes 15,4. Dies ist aber keine zufällige Berührung, keine gelegentliche Verbindung, sondern die Rebe wird ein Teil des Weinstocks. Leben, Kraft und Fruchtbarkeit fließen ihr ungehindert und beständig aus der Wurzel zu. Getrennt vom Weinstock aber ist die Rebe nicht lebensfähig. Auch ihr, so sprach Jesus, könnt nicht leben ohne mich. Das Leben, das ihr von mir empfangen habt, kann nur durch die beständige Gemeinschaft mit mir bewahrt werden. Ohne mich könnt ihr weder eine Sünde überwinden noch einer Versuchung widerstehen. LJ 675.1
„Bleibet in mir und ich in euch.“ Das bedeutet ein beständiges Empfangen seines Geistes, ein Leben der vorbehaltlosen Hingabe an seinen Dienst. Die Verbindung zwischen dem einzelnen und seinem Gott darf nicht unterbrochen werden. Wie die Rebe unaufhörlich den Saft aus dem lebenden Weinstock zieht, so müssen wir uns an Jesus klammern und von ihm durch den Glauben die Stärke und Vollkommenheit seines Wesens empfangen. LJ 675.2
Lies Apostelgeschichte 3,18.19. Warum ist Buße so wichtig im Prozess des geistlichen Wachstums? Was ist eine Zeit der „Erfrischung“?
Hier in der Einsamkeit der Wüste fand Paulus reichlich Gelegenheit zu ungestörtem Forschen und Nachdenken. Er dachte in aller Ruhe über seine Erfahrungen nach und bekehrte sich gründlich. Er suchte Gott von ganzem Herzen und ruhte erst, als er die Gewißheit erlangt hatte, daß seine Buße angenommen und seine Sünde vergeben war. Er sehnte sich nach der Gewißheit, daß Jesus ihm in seinem künftigen Dienst zur Seite stehen werde. Von allen Vorurteilen und Überlieferungen, die bisher sein Leben geprägt hatten, machte er sich frei und empfing Weisungen von der Quelle der Wahrheit. Jesus pflegte Gemeinschaft mit ihm, gründete ihn im Glauben und schenkte ihm in reichem Maße Weisheit und Gnade. WA 127.3
Wird der Geist des Menschen mit dem Geist Gottes, das Endliche mit dem Unendlichen in Verbindung gebracht, so übt das eine nicht abzuschätzende Wirkung auf Körper, Geist und Seele aus. Einer solchen Gemeinschaft erwächst die wertvollste geistliche Bildung. Sie ist Gottes ureigenste Art der Fortentwicklung. Sein Ruf an die Menschheit lautet: „Befreunde dich doch mit Gott.“ Hiob 22,21, Menge). WA 127.4
Das Untersuchungsgericht und die Austilgung der Sünden muß vor der Wiederkunft des Herrn vollendet werden. Da die Toten gerichtet werden sollen nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, so ist es unmöglich, daß die Sünden der Menschen vor Ablauf des Gerichts, das ihr Lebenswerk untersucht, ausgetilgt werden können. Der Apostel Petrus sagt deutlich, daß die Sünden der Gläubigen ausgetilgt werden sollen, „auf daß da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus“. Apostelgeschichte 3,20. Wenn das Untersuchungsgericht beendet ist, wird Christus kommen und sein Lohn mit ihm, einem jeglichen zu geben, wie seine Werke sein werden. GK 484.3
Das große Werk des Evangeliums wird mit keiner geringeren Offenbarung der Macht Gottes schließen als derjenigen, die seinen Anfang kennzeichnete. Die Weissagungen, die in der Ausgießung des Frühregens am Anfang der frühchristlichen Zeit ihre Erfüllung fanden, werden sich am Ende der christlichen Geschichte im Spätregen erfüllen. Es ist die Zeit der Erquickung, der auch der Apostel Petrus entgegensah, als er sagte: „so tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilgt werden; auf daß da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des Herrn wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus.“ Apostelgeschichte 3,19.20. GK 612.2
Diener Gottes mit leuchtendem und vor heiligem Eifer strahlendem Angesicht werden von Ort zu Ort eilen, um die Botschaft vom Himmel zu verkündigen. Tausende werden die Warnung über die ganze Erde verbreiten. Erstaunliche Taten werden gewirkt, Kranke geheilt werden, Zeichen und Wunder werden den Gläubigen folgen. Auch Satan wird lügenhafte Wunder wirken und sogar Feuer vom Himmel fallen lassen vor den Menschen. Offenbarung 13,13. Auf diese Weise werden die Bewohner der Erde gezwungen, sich zu entscheiden. GK 612.3
Lies 2. Mose 34,1–10. Welche entscheidende Wahrheit findet sich hier?
„Der Herr schritt vor ihm vorüber und verkündete: Der Herr, der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Güte und Wahrheit, der Barmherzigkeit bewahrt für Tausende, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt.“ 2. Mose 34,6.7. UL 41.1
„Wie dankbar sollten wir sein, dass der Herr langsam zum Zorn ist! Was für ein wunderbarer Gedanke ist es, dass die Allmacht ihrer mächtigen Kraft Grenzen setzt! Doch weil der Herr nachsichtig und langmütig ist, neigt das menschliche Herz oft dazu, sich anmaßend zu trauen, Sünde auf Sünde zu häufen! ... „Weil das Urteil über ein böses Werk nicht sogleich vollstreckt wird, ist das Herz der Menschenkinder ganz darauf ausgerichtet, Böses zu tun“ (Prediger 8,11). Anstatt dass Gottes Geduld den Sünder zu fortwährender Übertretung verhärtet, sollte sie ihn dazu führen, sich zu entschließen, Gottes Vergebung zu suchen, damit die Einträge, die in den himmlischen Aufzeichnungen gegen ihn sprechen, getilgt werden können.... UL 41.2
„Satan ist der Urheber des Bösen. Er wandte sich von seiner Treue zu Gott ab. Diejenigen, die beharrlich mit ihm in seiner Abkehr sympathisierten, wurden zusammen mit ihm aus dem Himmel ausgeschlossen. Unversöhnlicher Hass gegen Gott erfüllt Satans Geist. Beharrlich hat er seinen Einfluss genutzt, um Gottes Ebenbild aus der Menschheitsfamilie zu tilgen und an dessen Stelle sein eigenes satanisches Ebenbild zu prägen. Sein Versuch, unsere ersten Eltern zu täuschen, war erfolgreich. Die nach dem Ebenbild Gottes geschaffene Menschheitsfamilie verlor ihre Unschuld, wurde zu Übertretern und begann als illoyale Untertanen ihren Abstieg. Satan erlangte die Kontrolle über die Handlungsfähigkeit des Menschen. Durch die Sinne beeinflusste er den Verstand. UL 41.3
„So ist es seit Anbeginn der Welt gewesen. Anstatt unter Gottes Einfluss zu bleiben, damit er das moralische Ebenbild seines Schöpfers widerspiegeln könnte, stellte sich der Mensch unter die Kontrolle des Einflusses Satans und wurde selbstsüchtig. So wurde die Sünde zu einem universellen Übel. Und welch schreckliches Übel ist die Sünde! UL 41.4
„Indem sie den Einflüsterungen Satans nachgaben, öffneten unsere ersten Eltern die Schleusen des Bösen über die Welt. Die fragwürdigen Prinzipien des Vaters und der Mutter der Menschheit beeinflussten einige derer, mit denen sie Umgang pflegten. Das Übel, das im Paradies begann, hat sich durch die Zeitalter hindurch ausgebreitet. Obwohl Adam und Eva ihren Kindern mit Trauer die traurige Geschichte vom Sündenfall erzählten, wurde ihre Familie zu einer gespaltenen Familie. Kain entschied sich, Satan zu dienen, Abel, Gott zu dienen. Kain tötete seinen Bruder Abel, weil dieser seinem Beispiel nicht folgen wollte. UL 41.5
„Damit die Welt nicht wegen ihrer moralischen Verunreinigung zerstört würde, unternahm Gott sein großes Erlösungswerk und sandte seinen Sohn auf diese Erde, um die Menschheit zu erlösen.“ – Manuskript 55, 27. Januar 1902, „Die Langmut Gottes“. UL 41.6
Lies das Gleichnis in Matthäus 22,1–14, das Jesus erzählte, um dies zu erklären. Welche Botschaften kannst du in diesem Gleichnis finden?
Das Gleichnis vom hochzeitlichen Kleide enthält eine Lehre von größter Wichtigkeit. Durch die Hochzeit wird die Vereinigung der Menschheit mit der Gottheit dargestellt; das hochzeitliche Gewand stellt den Charakter dar, den alle haben müssen, die als geeignete Gäste für die Hochzeit erfunden werden. CGl 304.1
In diesem Gleichnis sowohl, wie in jenem vom großen Abendmahl, werden die Evangeliumseinladung, ihre Verwerfung durch das jüdische Volk und der gnadenvolle Ruf an die Heiden geschildert. Aber betreffs derer, welche die Einladung verwerfen, zeigt dies Gleichnis eine noch größere Beleidigung und eine noch schrecklichere Bestrafung. Die Einladung zum Feste ist eines Königs Einladung. Sie wird von jemand gegeben, der Macht hat zu gebieten. Durch sie wird dem Geladenen eine große Ehre erwiesen. Aber die Ehre wird nicht geschätzt. Die Autorität des Königs wird verachtet. Während die Einladung des Hausvaters mit Gleichgültigkeit aufgenommen wurde, hat die des Königs sogar die Beleidigung und Ermordung seiner Knechte zur Folge. Sie behandelten seine Knechte mit Verachtung, höhnten und töteten sie. CGl 304.2
Als der Hausvater sah, wie seine Einladung abgewiesen wurde, erklärte er, daß keiner der Geladenen sein Mahl schmecken solle. Aber denen, welche den König derart geschmäht hatten, wurde eine größere Strafe auferlegt, als die Verbannung von seiner Gegenwart. Er „schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.“CGl 304.3
In beiden Gleichnissen wird das Fest mit Gästen versehen, aber das zweite zeigt, daß alle, die dem Feste beiwohnen, eine Vorbereitung für dasselbe treffen müssen. Wer diese Vorbereitung unterläßt, wird ausgestoßen. „Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die Finsternis hinaus! da wird sein Heulen und Zähneklappen.“CGl 305.1
Die Einladung zum Feste war von Christi Jüngern gegeben worden. Unser Herr hatte die Zwölfe und später die Siebzig ausgesandt, um zu verkündigen, daß das Reich Gottes nahe sei, und die Menschen aufzufordern, Buße zu tun und dem Evangelium zu glauben. Aber die Einladung wurde nicht beachtet. Die zum Feste Geladenen kamen nicht. Später wurden die Knechte ausgesandt mit der Botschaft: „Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit, kommt zur Hochzeit!“ Dies war die Botschaft, die den Juden nach der Kreuzigung Christi gebracht wurde; aber das Volk, das doch behauptete, das Besondere Volk Gottes zu sein, verwarf das ihm in der Kraft des Heiligen Geistes gebrachte Evangelium. Viele taten dies in einer höchst spöttischen Weise. Andere wurden, weil sie den Herrn der Herrlichkeit verwarfen, über das Anerbieten des Heils und das Anerbieten der Vergebung so erbittert, daß sie sich gegen die Träger der Botschaft wandten. Es fand „eine große Verfolgung“ statt. Apostelgeschichte 8,1. Viele Männer und Frauen wurden ins Gefängnis geworfen und einige der Boten des Herrn, wie Stephanus und Jakobus, wurden getötet.CGl 305.2
Auch wenn Gottes Diener wachsam sind und ihre Arbeit recht tun, kann es doch vorkommen, dass einige der Mitglieder es versäumen, das Hochzeitsgewand anzulegen. Ein Gewand, wie ihr wisst, ist etwas, das man über den Körper zieht. Das Gewand steht daher für ein tägliches, christusähnliches Verhalten – die Gerechtigkeit Christi im täglichen Leben.
Die Tatsache, dass der Mann in der Parabel sprachlos war, als er gefragt wurde: „Freund, wie bist du hier hereingekommen, ohne ein Hochzeitsgewand zu tragen?“, zeigt, dass er sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht hatte, nicht der Unwissenheit! Er hatte keine Entschuldigung, und er wusste es.
Wahre Buße schließt aufrichtige Traurigkeit über unsere Sünden und Abkehr von ihnen ein. Wir werden sie nicht ablegen, bis wir ihre Sündhaftigkeit erkannt haben. Eine wirkliche Veränderung in unserm Leben wird erst dann eintreten, wenn wir von Herzen der Sünde abgesagt haben. WZC 14.2
Viele mißverstehen die wahre Bedeutung der Buße. Sie sind traurig über ihre Sünden, ja, sie bekehren sich äußerlich, weil sie sich vor den Leiden fürchten, die ihre Missetaten über sie bringen. Das ist keine Buße im Sinne des Wortes Gottes. Solche Menschen beklagen die Folgen ihrer Sünden statt die Sünde selbst. So klagte und jammerte auch Esau, als er sein Erstgeburtsrecht für immer verloren sah. Bileam erkannte und bekannte seine Schuld, als der Engel ihm mit gezogenem Schwert in den Weg trat. Wohl fürchtete er für sein Leben; von wahrer Buße, von wahrer Bekehrung, von wahrem Abscheu vor der Sünde sehen wir jedoch keine Spur. In ähnlichem Geiste rief Judas Ischariot aus, nachdem er seinen Herrn und Meister verraten hatte: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.“ Matthäus 27,4. WZC 14.3
Das Geständnis wurde seinem schuldgeplagten Herzen durch das entsetzliche Bewußtsein der Verdammnis und den furchtbaren Ausblick auf das Gericht abgerungen. Die Folgen der Sünde erfüllten ihn mit Schrecken; nichts läßt jedoch auf tiefe Traurigkeit, auf wirkliches Herzeleid darüber schließen, daß er den schuldlosen Sohn Gottes verraten und den Heiligen Israels verleugnet hatte. Pharao bekannte zwar seine Schuld, wenn er unter der Zuchtrute Gottes seufzte, freilich nur, um der ferneren Strafe zu entgehen. Sobald aber den Plagen Einhalt getan war, kehrte er zu seinem Trotz gegen Gott zurück. Alle diese Männer beklagen wohl die Folgen ihrer Sünden, jedoch nicht die Sünde selbst. WZC 14.4
Ergibt sich aber ein Herz dem Einfluß des Geistes Gottes, dann erwacht das Gewissen, dann empfindet der Sünder etwas von der Tiefe und Heiligkeit des göttlichen Gesetzes, der Grundlage seiner Herrschaft im Himmel und auf Erden. Das „Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen“, leuchtet in die geheimen Falten seines Herzens und macht die verborgenen Dinge der Finsternis offenbar. Johannes 1,9. Eine volle Überzeugung ergreift Besitz von Kopf und Herz. Einerseits ahnt der Sünder etwas von der Gerechtigkeit des Ewigtreuen und erschrickt bei dem Gedanken, in seiner Schuld und Unreinheit vor dem Herzenskündiger erscheinen zu müssen. Anderseits sieht er die Liebe Gottes, erkennt des Höchsten wunderbare Heiligkeit und schmeckt die Freuden aus dem Besitz eines reinen Herzens. Es verlangt ihn danach, gereinigt und wieder in die Gemeinschaft mit Gott versetzt zu werden. WZC 15.1
Deutlich zeigt David in seinem Gebet nach seinem Fall die wahre Betrübnis über die Sünde. Seine Buße war tief und aufrichtig. Wir hören nichts von einer Beschönigung seiner Schuld; auch veranlaßte ihn nicht der Wunsch, dem angedrohten Gericht zu entrinnen, zu seinem Gebet. David sah das Ungeheure seiner Übertretung; er erkannte seine innere Befleckung; er fühlte tiefen Abscheu vor seiner Sünde. Er bat nicht allein um Vergebung, sondern auch um Reinheit des Herzens. Ihn dürstete nach wahrer Heiligkeit, danach, wieder in vollen Frieden und in Gemeinschaft mit Gott zu kommen: WZC 15.2
„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben
sind, dem die Sünde bedeckt ist!
Wohl dem Menschen, dem der Herr die
Missetat nicht zurechnet,
in des Geist kein Falsch ist!“ „Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte
und tilge meine Sünden nach deiner großen
Barmherzigkeit.
Wasche mich wohl von meiner Missetat
und reinige mich von meiner Sünde.
Denn ich erkenne meine Missetat, und meine
Sünde ist immer vor mir.
An dir allein habe ich gesündigt
und übel vor dir getan ...
Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde;
wasche mich, daß ich schneeweiß werde ...
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, gewissen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir ...
Errette mich von den Blutschulden, Gott,
der du mein Gott und Heiland bist,
daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.“ Psalm 32,1.2; Psalm 51,3-16. WZC 15.3
Eine solche Buße bringen wir nie aus eigener Kraft zustande, sondern nur durch Christus, der in die Höhe aufgefahren ist und den Menschen Gaben verliehen hat. WZC 16.1
Gerade darüber haben viele Menschen irrige Ansichten und gehen deshalb der Hilfe verlustig, die Christus ihnen zu geben wünscht. Sie glauben, nicht eher zu Christus kommen zu können, als bis sie Buße getan haben; denn nach ihrer Meinung bereitet die Buße den Weg für die Vergebung der Sünden vor. Wohl muß die Buße der Sündenvergebung vorausgehen; denn nur ein geängstigtes und zerschlagenes Herz fühlt die Notwendigkeit eines Erlösers. Muß aber ein Sünder warten, bis er Buße getan hat, ehe er zu Jesus kommen kann? Soll der Mangel der Buße ein Hindernis sein zwischen dem Sünder und dem Heiland? WZC 16.2