
„Durch Glauben fielen die Mauern von Jericho, nachdem sie sieben Tage umzogen worden waren. Hebräer 11:31
Josua sah allerdings nur mit großer Sorge und geringem Selbstvertrauen auf die vor ihm liegende Aufgabe. Doch seine Furcht schwand nach Gottes Versicherung: „Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein ... denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.“ — „Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe.“ Josua 1,5.6.3. Von den Höhen des Libanon weit im Norden bis zu den Küsten des Mittelmeers und hin zu den Ufern des Euphrat im Osten sollte ihnen alles gehören. PP 464.1
Noch lagerte Israel am Ostufer des Jordan, dem ersten Hindernis für die Einnahme Kanaans. „Mach dich nun auf“, war Gottes erste Botschaft an Josua, „und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israel, gegeben habe.“ Josua 1,2. Gott gab keine Verhaltungsmaßregeln, wie der Übergang vor sich gehen sollte. Aber Josua wußte, Gott würde für alles, was er befahl, auch einen Weg zur Durchführung schaffen, und in diesem Glauben traf er sogleich unerschrocken Vorkehrungen für den Weitermarsch. PP 464.3
Lies Josua 2,1 zusammen mit 4. Mose 13,1.2.25–28.33 und 4. Mose 14,1–12. Warum begann Josua die Eroberung des verheißenen Landes damit, dass er Spione aussandte?
Wenige Kilometer jenseits des Flusses, ihrem Lagerplatz gerade gegenüber, lag das große, stark befestigte Jericho. Diese Stadt war tatsächlich der Schlüssel zum ganzen Lande und für Israels Erfolg ein furchtbares Hindernis. Deshalb schickte Josua zwei junge Männer als Kundschafter hinein, um etwas über die Bevölkerung, ihre Hilfsquellen und die Stärke ihrer Befestigungen zu erfahren. Das war recht gefährlich, denn die erschreckten, argwöhnischen Bewohner waren ständig auf der Hut. Doch Rahab, eine Einwohnerin Jerichos, rettete sie unter eigener Lebensgefahr. Als Dank für diese Freundlichkeit versprachen sie ihr Schutz, wenn die Stadt eingenommen würde. PP 464.4
Wohlbehalten kehrten die Kundschafter mit der Nachricht zurück: „Der Herr hat uns das ganze Land in unsere Hände gegeben, und es sind auch alle Bewohner des Landes vor uns feige geworden.“ Josua 2,24. Man hatte in Jericho offen gesagt: „Wir haben gehört, wie der Herr das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordan getan habt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt, und es wagt keiner mehr vor euch zu atmen; denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.“ Josua 2,10.11. PP 465.1
Lies Johannes 18,16–18, 25–27 und Johannes 21,15–19. Welche Parallelen entdeckst du zwischen der zweiten Chance, die Israel als Nation und Petrus als Person gegeben wurde?
Nun erließ Josua Befehl, sich zum Vormarsch bereitzuhalten. Das Volk sollte sich für drei Tage mit Nahrung versorgen und das Heer kampfbereit stehen. Alle stimmten seinen Plänen von Herzen zu und versicherten ihn ihres Vertrauens und ihrer Unterstützung: „Alles, was du uns geboten hast, das wollen wir tun, und wo du uns hinsendest, da wollen wir hingehen. Wie wir Mose gehorsam gewesen sind, so wollen wir auch dir gehorsam sein; nur, daß der Herr, dein Gott, mit dir sei, wie er mit Mose war!“ Josua 1,16.17. PP 465.2
„Nach seiner Auferstehung stellte Christus Petrus dreimal auf die Probe. ‚Simon, Sohn des Jonas‘, sagte er, ‚liebst du mich mehr als diese?‘ Petrus erhob sich nun nicht mehr über seine Brüder. Er wandte sich an den Einen, der sein Herz lesen konnte. ‚Herr‘, sagte er, ‚du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.‘ Johannes 21,15.17.“ COL 154.2
Dreimal hatte Petrus seinen Herrn öffentlich verleugnet, dreimal verlangte Jesus von ihm nun die Versicherung seiner Liebe und Treue, wobei die wiederholte, gezielte Frage Petrus wie ein spitzer Pfeil ins wunde Herz drang. Vor den versammelten Jüngern enthüllte Jesus, wie tief Petrus seine Tat bereute, und ließ dadurch erkennen, wie gründlich sich der einst so ruhmredige Jünger gedemütigt hatte. LJ 815.1
Lies Josua 2,2–11, Hebräer 11,31 und Jakobus 2,25. Was sagen uns diese Texte über Rahab?
„Rahab war eine Hure, die auf der Mauer von Jericho lebte. Sie versteckte die beiden israelitischen Spione, die ausgesandt worden waren, um die Verteidigungsanlagen der Stadt zu erkunden. Wegen ihrer Freundlichkeit ihnen gegenüber und ihrer Bekenntnis zum Glauben an Gott versprachen die Spione, dass Rahab und ihre Familie verschont bleiben würden, wenn Jericho angegriffen würde. DG 35.3
„Gott hatte gesagt, dass die Stadt Jericho verflucht sein sollte und dass alle außer Rahab und ihrem Haushalt umkommen sollten. Sie sollten gerettet werden wegen der Gunst, die Rahab den Boten des Herrn erwiesen hatte.“ – The Review and Herald, 16. September 1873. DG 36.1
„Durch die Befreiung Israels aus Ägypten verbreitete sich das Wissen um die Macht Gottes weit und breit. Das kriegerische Volk der Festung Jericho zitterte. „Sobald wir diese Dinge gehört hatten“, sagte Rahab, „schmolz unser Herz, und es blieb kein Mut mehr in einem einzigen Mann wegen euch; denn Jehova, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten“ (Josua 2,11). – Patriarchen und Propheten, 369 (1890). DG 36.2
„Alle Einwohner der Stadt [Jericho] mit allem, was darin lebte, „sowohl Männer als auch Frauen, Jung und Alt, Rinder, Schafe und Esel“, wurden mit dem Schwert getötet. Nur die treue Rahab und ihre Familie wurden verschont, in Erfüllung der Verheißung der Spione. Die Stadt selbst wurde niedergebrannt.“ – Patriarchen und Propheten, 491 (1890). DG 36.3
„Siehe Matthäus 1:1-16 für die Genealogie Jesu, dessen Vorfahr Rahab war.“ DG 36.4
Lies Josua 2:12–21 und Exodus 12:13, 22, 23. Wie helfen dir die Texte in Exodus, die Vereinbarung zwischen den Spionen und Rahab zu verstehen?
„Siehe, wenn wir in das Land kommen, sollst du diesen scharlachroten Faden an das Fenster binden, durch das du uns herabgelassen hast, und sollst deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und die ganze Familie deines Vaters zu dir nach Hause bringen.“ KJV – Josua 2:18
„Und sie sprach: Es soll geschehen, wie ihr gesagt habt. Und sie ließ sie gehen, und sie zogen fort; und sie band den scharlachroten Faden an das Fenster.“ KJV – Josua 2:21
Alle Bewohner der Stadt und alle lebenden Wesen darin, „Mann und Weib, jung und alt, Rinder, Schafe und Esel“ (Josua 6,21) sollten dem Schwert verfallen. Nur die gläubige Rahab blieb samt ihren Angehörigen nach dem Versprechen der Kundschafter verschont. Die Stadt selbst wurde verbrannt; ihre Paläste und Tempel, die großartigen Wohnhäuser mit allen verschwenderisch ausgestatteten Einrichtungen, die kostbaren Vorhänge und Gewänder wurden den Flammen ausgesetzt. Was jedoch nicht durch das Feuer zu vernichten war, „alles Silber und Gold samt den kupfernen und eisernen Geräten“ (Josua 6,19) wurde für den Dienst an der Stiftshütte bestimmt. Grund und Boden der Stadt wurden verflucht; Jericho sollte nie wieder als Festung aufgebaut werden. Jedem, der es wagen würde, die Mauern wiederherzustellen, die Gottes Macht niedergeworfen hatte, drohten Strafgerichte. In Gegenwart des ganzen Volkes gab Josua die feierliche Erklärung ab: „Verflucht vor dem Herrn sei der Mann, der sich aufmacht und diese Stadt Jericho wieder aufbaut! Wenn er ihren Grund legt, das koste ihn seinen erstgeborenen Sohn, und wenn er ihre Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten Sohn!“ Josua 6,26. PP 472.1
Die vollständige Vernichtung der Einwohner Jerichos war nur der Vollzug eines früheren Befehles durch Mose über Kanaans Bevölkerung: Du sollst „an ihnen den Bann vollstrecken“. 5.Mose 7,2. — „In den Städten dieser Völker ... sollst du nichts leben lassen, was Odem hat.“ 5.Mose 20,16. Vielen scheinen diese Gebote in Widerspruch zu dem Geist der Liebe und Barmherzigkeit zu stehen, die an anderen Stellen der Bibel zur Pflicht gemacht werden. In Wirklichkeit wurden diese Vorschriften von unendlicher Weisheit und Güte bestimmt. Gott beabsichtigte, die Israeliten in Kanaan anzusiedeln, damit sie dort ein Volk und eine Regierung als Offenbarung seines Reiches auf Erden verkörperten. Sie sollten nicht nur Erben des wahren Glaubens sein, sondern auch seine Grundsätze in der ganzen Welt verbreiten. Die Kanaaniter dagegen hatten sich dem widerwärtigsten, niedrigsten Heidentum ergeben; das Land mußte von allem gereinigt werden, was Gottes gnadenvolle Absichten gewiß verhindert hätte. PP 472.2
„Als Gott im Begriff war, die Erstgeborenen Ägyptens zu schlagen, befahl er den Israeliten, ihre Kinder aus der Mitte der Ägypter in ihre eigenen Wohnungen zu holen und ihre Türpfosten mit Blut zu bestreichen, damit der zerstörende Engel es sehen und ihre Häuser überspringen würde. Es war die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu sammeln. Das ist eure Aufgabe, das ist meine Aufgabe und die Aufgabe jeder Mutter, die an die Wahrheit glaubt. Der Engel soll allen, die von Sünde und Sündern getrennt sind, ein Zeichen auf die Stirn setzen, und der zerstörende Engel wird folgen, um sowohl Alte als auch Junge gnadenlos zu töten. 5T 505.2
Lies Josua 9,1–20. Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Geschichte von Rahab und der der Gibeoniter? Warum sind sie bedeutsam?
„Und sie sprach zu den Männern: Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat und dass eure Furcht über uns gekommen ist und dass alle Bewohner des Landes vor euch verzagen. Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser des Roten Meeres für euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten gezogen seid, und was ihr den beiden Königen der Amoriter getan habt, die jenseits des Jordan waren, Sihon und Og, die ihr völlig vernichtet habt. Und sobald wir das hörten, schmolz unser Herz, und es blieb kein Mut mehr in einem Menschen wegen euch; denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden. Nun denn, ich bitte euch, schwört mir beim Herrn, da ich euch Gnade erwiesen habe, dass ihr auch meinem Vaterhaus Gnade erweisen und mir ein sicheres Zeichen geben werdet, dass ihr meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern und alles, was sie haben, am Leben lassen und unser Leben vor dem Tod bewahren werdet.“ KJV – Josua 2:9-13
Von Sichem kehrte Israel in das Lager bei Gilgal zurück. Hier besuchte sie bald darauf eine fremde Abordnung, die einen Vertrag mit ihnen abschließen wollte. Jene Boten behaupteten, aus einem fernen Lande zu kommen, und ihr Aussehen schien das zu bestätigen. Ihre Kleidung war alt und abgetragen, die Sandalen dürftig geflickt, ihre Vorräte schimmelig, und die Häute, die ihnen als Weinbehälter dienten, waren gerissen und wieder zusammengebunden, als ob sie auf dem Wege eilig ausgebessert worden wären. PP 484.1
In ihrer weit entlegenen Heimat — angeblich jenseits der Grenzen Palästinas — hätten ihre Landsleute, so berichteten sie, von den Wundertaten Gottes für sein Volk gehört und sie hierher gesandt, um ein Bündnis mit Israel zu schließen. PP 484.2
Die Hebräer waren von Gott ausdrücklich davor gewarnt worden, mit den Götzendienern Kanaans Verträge einzugehen, und der Führerschaft kamen bei den Worten der Fremden auch Zweifel an deren Aufrichtigkeit: „Vielleicht wohnt ihr mitten unter uns“ (Josua 9,7), sagten sie. PP 484.3
Darauf erwiderten die Gibeoniten nur: „Wir sind deine Knechte.“ Josua 9,8. Aber als Josua sie direkt fragte: „Wer seid ihr, und woher kommt ihr?“ (Josua 9,8) wiederholten sie ihre Angaben und fügten zum Beweis ihrer Aufrichtigkeit hinzu: „Dies unser Brot, das wir aus unsern Häusern zu unserer Speise mitnahmen, war noch warm, als wir zu euch auszogen, nun aber, siehe, ist es hart und zerbröckelt; und diese Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten, und siehe, sie sind zerrissen; und diese unsere Kleider und Schuhe sind alt geworden über der sehr langen Reise.“ Josua 9,12.13. PP 484.4
Diese Darstellung wirkte überzeugend. Deshalb befragten die Hebräer „den Mund des Herrn nicht. Und Josua machte Frieden mit ihnen und schloß einen Bund mit ihnen, daß sie am Leben bleiben sollten. Und die Obersten der Gemeinde schworen es ihnen.“ Josua 9,14.15. So kam der Vertrag zustande. Drei Tage später aber entdeckten die Obersten Israels die Wahrheit. Es kam „vor sie, daß jene aus ihrer Nähe wären und mitten unter ihnen wohnten“. Josua 9,16. Weil die Gibeoniter wußten, daß sie den Hebräern unmöglich widerstehen konnten, hatten sie zu dieser List gegriffen, um ihr Leben zu retten. PP 484.5
Lies Josua 9,21–27. Wie verband Josuas Lösung Gerechtigkeit mit Gnade?
Die Gibeoniter hatten sich verpflichtet, all ihren Götzendienst aufzugeben und die Anbetung Jahwes anzunehmen. Insofern war die Schonung ihres Lebens keine Verletzung des göttlichen Gebotes, die abgöttischen Kanaaniter zu vernichten. Die Hebräer hatten mit ihrem Eid nichts Sündhaftes geschworen; und war er auch durch Betrug erlangt, durfte er doch nicht mißachtet werden. Eine Verpflichtung, die man durch sein Wort eingegangen ist, sollte heilig gehalten werden — sofern sie jemanden nicht dazu nötigt, Unrechtes zu tun. Weder der Gedanke an Gewinn noch an Vergeltung oder Eigennutz kann die Unverletzbarkeit eines Eides oder Gelöbnisses berühren. „Lügenmäuler sind dem Herrn ein Greuel“ (Sprüche 12,22), heißt es in der Schrift. Ferner: „Wer darf wohnen auf diesem heiligen Berge ...? Wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet.“ Psalm 15,1.4. PP 485.2
Die Gibeoniter durften am Leben bleiben, aber sie wurden dem Heiligtum als Leibeigene für alle niedrigen Dienste beigegeben. „So machte sie Josua an diesem Tage zu Holzhauern und Wasserschöpfern für die Gemeinde und den Altar des Herrn.“ Josua 9,27. Diese Bedingungen nahmen sie dankbar an, wußten sie doch genau, daß sie im Unrecht waren und froh sein mußten, ihr Leben auf irgendeine Art erkauft zu haben. „Siehe, wir sind in deinen Händen“, sagten sie zu Josua, „was dich gut und recht dünkt, mit uns zu tun, das tu.“ Josua 9,25. Jahrhundertelang blieben ihre Nachkommen mit dem Dienst am Heiligtum verbunden. PP 485.3
Das Gebiet der Gibeoniter umfaßte vier Städte. Sie standen nicht unter der Herrschaft eines Königs, sondern wurden von Ältesten regiert. Gibeon, die bedeutendste von ihnen, „war eine große Stadt wie eine der Königsstädte ... und alle seine Bürger streitbare Männer“. Josua 10,2. Es ist ein überraschender Beweis dafür, welchen Schrecken Israel in Kanaan auslöste, wenn die Bewohner solch einer Stadt ihre Zuflucht zu einem derart demütigenden Ausweg nahmen, um ihr Leben unter allen Umständen zu retten. PP 486.1
Sie wären besser gefahren, wenn sie den Israeliten gegenüber ehrlich gewesen wären. Die Unterwerfung unter Jahwe rettete zwar ihr Leben, aber die Täuschung brachte ihnen Schande und Knechtschaft ein. Gott hatte dafür gesorgt, daß alle, die sich vom Heidentum lossagten und Israel anschlossen, auch an den Segnungen des Bundes teilhaben sollten. Sie fielen unter die Bezeichnung „Fremdlinge, die unter euch wohnen“. 4.Mose 19,10. Mit wenigen Ausnahmen erfreute sich diese Gruppe derselben Gnadenerweise und Vergünstigungen wie Israel. Des Herrn Anweisung lautete: PP 486.2
„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen.“ 3.Mose 19,33.34. PP 486.3
Über das Passa und die Opfer wurde angeordnet: „Für die ganze Gemeinde gelte nur eine Satzung, für euch wie auch für die Fremdlinge, ... daß vor dem Herrn der Fremdling sei wie ihr. Einerlei Gesetz, einerlei Recht soll gelten für euch und den Fremdling.“ 4.Mose 15,15. PP 486.4
Das einzig war die Grundlage, auf der die Gibeoniter hätten aufgenommen werden können, aber nicht die Täuschung, zu der sie ihre Zuflucht nahmen. Für die Bewohner einer „Königsstadt“, deren Bürger alle „streitbare Männer“ (Josua 10,2) waren, bedeutete es bestimmt keine geringe Demütigung, Generationen hindurch Holzhauer und Wasserschöpfer zu sein. Da sie jedoch für den Betrug das Kleid der Armut angenommen hatten, haftete es ihnen nun als Zeichen dauernder Knechtschaft an. Auf diese Weise bezeugte der Sklavenstand in allen ihren Geschlechtern, wie Gott die Lüge haßt. PP 486.5
So verließ das Riesenheer das Lager im Akazienhain von Schittim und stieg zum Jordanufer hinab. Aber alle wußten, daß der Übergang ohne Gottes Hilfe nicht möglich sein würde. In dieser Jahreszeit — es war Frühling — hatte die Schneeschmelze im Gebirge den Jordan so anschwellen lassen, daß er über die Ufer trat und an den üblichen Furten nicht zu überschreiten war. Gott wollte Israels Übergang auf wunderbare Weise geschehen lassen. Auf seinen Befehl gebot Josua dem Volk, sich zu heiligen, die Sünden abzulegen und sich auch äußerlich zu reinigen. „Morgen“, sagte er, „wird der Herr Wunder unter euch tun.“ Josua 3,5. Die „Lade des Bundes“ (5.Mose 10,8) sollte dem Heereszug vorangehen. Sobald sie sahen, daß dieses Zeichen der Gegenwart Jahwes von den Priestern aus der Mitte des Lagers auf den Fluß zu getragen wurde, sollten auch die Israeliten ihren Standort verlassen und ihr nachfolgen. Josua sagte ihnen die Einzelheiten genau voraus: „Daran sollt ihr merken, daß ein lebendiger Gott unter euch ist und daß er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter ... Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch her gehen in den Jordan.“ Josua 3,10.11. PP 465.3
Zur bestimmten Zeit begann der Aufbruch, voran die Bundeslade auf den Schultern der Priester. Das Volk hatte Anweisung, sich so weit zurückzuhalten, daß der Abstand zwischen ihnen fast einen Kilometer betrug. Alle beobachteten mit großer Aufmerksamkeit, wie die Priester zum Jordanufer hinabstiegen. Sie sahen sie mit der heiligen Lade ruhig auf den wilden, hoch angeschwollenen Strom zugehen. Als jedoch die Füße der Träger ins Wasser tauchten, ging die Flut oberhalb dieses Ortes plötzlich zurück und stand in großer Entfernung wie ein Wall während sie unterhalb weiterfloß, und so das Flußbett offen dalag. PP 466.1
Auf Gottes Befehl schritten die Priester bis zur Mitte der Stromrinne und blieben dort stehen, während nun das ganze Volk herabkam und auf die andere Seite zog. Auf diese Weise wurde den Israeliten bewußt, daß die Macht, die das Jordanwasser zum Stehen brachte, dieselbe war, die vor vierzig Jahren ihren Vätern den Weg durch das Rote Meer gebahnt hatte. Erst als alle drüben waren, wurde auch die Lade auf das Westufer getragen. Kaum hatte sie einen sicheren Platz erreicht, so daß die Priester „mit ihren Fußsohlen aufs Trockene traten“ (Josua 4,18), brausten die aufgestauten Wassermassen in unwiderstehlicher Flut im gewohnten Flußbett dahin. Für spätere Geschlechter sollte ein Zeuge dieses großen Wunders erhalten bleiben. Während die Priester mit der Bundeslade noch mitten im Jordan standen, nahmen zwölf vorher bestimmte Männer — aus jedem Stamm einer — von dieser Stelle je einen Stein aus dem Flußbett und trugen ihn auf die Westseite. Aus diesen Steinen sollte beim ersten Lagerplatz jenseits des Jordan ein Denkmal errichtet werden. Und den Israeliten wurde geboten, Kindern und Enkeln von ihrer Errettung zu erzählen, die Gott für sie vollbracht hatte, damit, wie Josua sagte, „alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist, und den Herrn, euren Gott, fürchten allezeit“. Josua 4,24. PP 466.2
Die Wirkung dieses Wunders gewann für die Hebräer und ihre Feinde größte Bedeutung. Für Israel war es eine Bürgschaft, daß Gottes Gegenwart und sein Schutz immer bei ihm waren — ein Beweis, daß er durch Josua geschehen ließ, was einst Mose begann. Solche Gewißheit brauchten die Hebräer zur inneren Stärkung, wenn nun die Eroberung des Landes begann — die ungeheure Aufgabe, bei der vor vierzig Jahren der Glaube ihrer Väter ins Wanken geraten war. Vor der Überquerung des Jordan hatte der Herr Josua erklärt: „Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.“ Josua 3,7. Das Ergebnis bestätigte die Verheißung: „An diesem Tage machte der Herr den Josua groß vor ganz Israel. Und sie fürchteten ihn, wie sie Mose gefürchtet hatten, sein Leben lang.“ Josua 4,14. PP 466.3