
„Ich will deine Befehle auf ewig nicht vergessen; denn durch sie hast du mich belebt. Ich bin dein; hilf mir, denn ich habe nach deinen Befehlen getrachtet. Psalm 119,93–94
„Das Gesetz und das Evangelium, wie sie im Wort offenbart sind, sollen den Menschen gepredigt werden; denn das Gesetz und das Evangelium, miteinander verbunden, überführen von der Sünde. Gottes Gesetz verurteilt zwar die Sünde, weist aber auf das Evangelium hin und offenbart Jesus Christus, in dem „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt“. Die Herrlichkeit des Evangeliums wirft ein Licht auf das jüdische Zeitalter und verleiht dem gesamten jüdischen System der Vorbilder und Schatten Bedeutung. So sind Gesetz und Evangelium miteinander verbunden. In keiner Auslegung dürfen sie voneinander getrennt werden.—Manuskript 21, 1891.Ev 231.3
„Der Religiöse hat im Allgemeinen das Gesetz und das Evangelium voneinander getrennt, während wir andererseits fast dasselbe aus einem anderen Blickwinkel getan haben. Wir haben den Menschen die Gerechtigkeit Christi und die volle Bedeutung seines großen Erlösungsplans nicht vor Augen geführt. Wir haben Christus und seine unvergleichliche Liebe ausgeklammert und stattdessen Theorien und Überlegungen, gepredigte Argumente eingebracht.“ – Manuskript 24, 1890. Ev 231.4
Lies über Samsons Versuchungen in Richter 14 und Richter 16,1.4.16.17. Obwohl er von Gott für einen bestimmten Zweck berufen war, diente Samson Gott, während er der Versuchung nachgab. Was lehrt uns der Ausgang seines Lebens?
Gottes Verheißung, Simson würde „anfangen, Israel zu erretten aus der Hand der Philister“ (Richter 13,5), hatte sich erfüllt. Aber wie düster und schrecklich ist die Lebensgeschichte dieses Mannes, der Gott zum Ruhm und zur Verherrlichung seines Volkes hätte dienen können! Wäre er seiner göttlichen Berufung treu geblieben, hätte Gott ihn dadurch ehren können, daß er seine Absichten durch ihn, Simson, verwirklichte. Aber er erlag den Versuchungen und erwies sich des Vertrauens nicht würdig. So endete seine Sendung mit Niederlage, Frondienst und Tod. PP 550.1
Körperlich war Simson der stärkste Mensch auf Erden; aber an Selbstbeherrschung, Rechtschaffenheit und Standhaftigkeit gehörte er zu den schwächsten. Viele halten starke Leidenschaften irrtümlich für Zeichen eines großen Charakters. In Wahrheit ist der unbeherrschte Mensch ein Schwächling. Wahre Größe läßt sich an der Stärke der Gefühle messen, die er beherrscht, nicht an der Stärke der Gefühle, die ihn beherrschen. PP 550.2
Gottes Fürsorge hatte über Simson gewaltet, damit er für die Aufgabe vorbereitet war, zu der er berufen wurde. In der Kindheit umgaben ihn Verhältnisse, die die Voraussetzung für Körper- und Geisteskräfte und sittliche Reinheit schufen. Aber unter dem Einfluß schlechter Kameraden ließ er seinen einzigen Schutz, den Halt an Gott, los, und so wurde er von der Flut des Bösen mit fortgerissen. Auch der Pflichttreue wird in Versuchung geraten, aber er kann gewiß sein, daß Gott ihn bewahrt. Wer sich dagegen freiwillig in Versuchung begibt, wird früher oder später zu Fall kommen. PP 550.3
Gerade bei denen, die Gott als seine Werkzeuge für besondere Aufgaben benutzen möchte, wendet Satan alle Verführungskünste an. Er greift stets an unseren schwachen Stellen an, um durch charakterliche Mängel die Herrschaft über den ganzen Menschen zu gewinnen; und er weiß, daß es ihm damit gelingen wird. Aber niemand muß sich überwinden lassen. Der Mensch steht im Kampf gegen die Macht des Bösen nicht allein mit seinen schwachen Kräften. Es ist Hilfe für jeden vorhanden, der es ehrlich meint. Gottes auf- und niedersteigende Engel, die Jakob im Traume sah, werden allen, die es wollen, helfen, die höchsten Höhen zu erreichen. PP 550.4
Jesus warnte davor, was wir tun sollten, wenn unsere Hände, Füße und Augen uns zur Sünde verleiten. Wovor warnte uns Jesus? Lies Markus 9,42–48.
„Es mag bestimmte falsche Dinge geben, die uns anscheinend so lieb sind wie eine Hand oder ein Fuß. Diese Dinge müssen für immer von uns entfernt werden. Niemals dürfen wir anderen unsere eigenwilligen, ungeheiligten Vorstellungen aufzwingen ...“ RC 283.4
„Wenn irgendetwas unserer Hingabe an Christus im Wege steht, auch wenn es uns so lieb ist wie eine Hand, ein Fuß oder ein Auge, liegt es in unserem Interesse, es loszulassen, anstatt das ewige Leben zu verlieren.“ 23LtMs, Ms 47, 1908, Abs. 11
„Jeder hat ein Werk der Überwindung zu vollbringen. Wenn der verwerfliche Charakterzug nicht überwunden wird, wird Satan diesen Fehler ausnutzen und dadurch den ganzen Menschen verunreinigen.“ ST 24. Dezember 1894, Abs. 7
„Hier möchte Christus uns lehren, dass die Charakterbildung enge und sorgfältige Aufmerksamkeit erfordert. Dies ist das Werk, das Judas mit seiner scharfen Wahrnehmung hätte erkennen können, wenn er die Lektionen angenommen hätte, die Christus ihm beibringen wollte. Seine verwerflichen Charakterzüge wären dann verschwunden, und er wäre sanftmütig und von Herzen demütig geworden, wie sein Meister. ST 20. Mai 1897, Abs. 9
„Und diese Arbeit ist etwas, das wir ebenso wie Judas tun müssen. Diejenigen, die erbliche Neigungen zum Bösen haben, diejenigen, die Dornenzweige ausstrecken, um alle zu verletzen, mit denen sie in Kontakt kommen, sollten dafür sorgen, dass die störenden Glieder abgeschnitten werden. So schmerzhaft diese Arbeit auch sein mag, das Böse von unserem Charakter zu trennen, sie muss getan werden. Selbstsucht und Habgier, die Götzendienst sind; der harte und unfreundliche Geist, der sich in Wort oder Tat manifestiert und Seelen verwundet und zerstört, muss aus dem Leben entfernt werden, sonst wird der ganze Mensch für sich selbst und für Gott zu einem Ärgernis. Seine Hartherzigkeit wird ihn dazu bringen, gerade diejenigen zu vernachlässigen, die seine Hilfe am dringendsten brauchen.“ ST 20. Mai 1897, Abs. 10
„Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, nämlich das Wort Gottes. Und dieses Wort, das von den lebendigen Werkzeugen empfangen und sich zu eigen gemacht wird, wird jenen Glauben hervorbringen, der durch Liebe wirkt und die Seele reinigt. Es wird die angeborenen Neigungen zum Bösen und die falschen Charakterzüge, die durch Pflege verstärkt wurden, wegschneiden. Wie sehr wir diese auch schätzen mögen, es ist besser, sie jetzt aus unserem Leben zu entfernen, als zuzulassen, dass ihre beherrschende Macht den ganzen Menschen befleckt und verdirbt. Und nicht nur das: Sie zerstören unseren Einfluss zum Guten, und statt ein Duft des Lebens zum Leben zu sein, werden wir zu einem Duft des Todes zum Tod.“ ST, 20. Mai 1897, Abs. 12
Wie würdest du einem Nichtchristen Sünde definieren und beschreiben? Wie beschreibt die Bibel Sünde? Lies Römer 3,20 und 1. Johannes 3,4.
Das Gesetz Gottes ist schon von Natur aus unwandelbar. Es ist eine Offenbarung des Willens und des Wesens seines Urhebers. Gott ist die Liebe und sein Gesetz ist Liebe. Die beiden großen Grundsätze des Gesetzes sind Liebe zu Gott und zu den Menschen. „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ Römer 3,10. Das Wesen Gottes ist Gerechtigkeit und Wahrheit; so ist auch sein Gesetz. Der Psalmist sagt: „Dein Gesetz ist Wahrheit“; „alle deine Gebote sind recht“. Psalm 119,142.172. Und Paulus erklärt: „Das Gesetz ist ja heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut.“ Römer 7,12. Solch ein Gesetz, das Ausdruck des Geistes und des Willens Gottes ist, muß ebenso beständig sein wie sein Gesetzgeber. GK 466.4
Es ist das Werk der Bekehrung und der Heiligung, die Menschen dadurch mit Gott zu versöhnen, daß sie mit den Grundsätzen seines Gesetzes in Einklang gebracht werden. Am Anfang wurde der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Er lebte in vollkommener Übereinstimmung mit der Natur und mit dem Gesetz Gottes; die Grundsätze der Gerechtigkeit waren ihm ins Herz geschrieben. Doch die Sünde entfremdete ihn seinem Schöpfer. Er spiegelte nicht länger das göttliche Ebenbild wider. Sein Herz stand den Grundsätzen des Gesetzes Gottes feindlich gegenüber. „Denn fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag‘s auch nicht.“ Römer 8,7. Doch „also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab“, damit der Mensch mit Gott versöhnt werden könne. Durch die Verdienste Christi kann er mit seinem Schöpfer in Übereinstimmung gebracht werden. Sein Herz muß durch die göttliche Gnade erneuert werden; er muß ein neues Leben von oben empfangen. Diese Umwandlung ist die Wiedergeburt, ohne die, wie Jesus sagt, niemand das Reich Gottes sehen kann. GK 467.1
Der erste Schritt in der Versöhnung mit Gott ist die Überzeugung von der Sünde. „Die Sünde besteht in der Übertretung des Gesetzes.“ „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ 1.Johannes 3,4 (v. Eß) und Grundtext: Römer 3,20. Um seine Schuld zu erkennen, muß sich der Sünder nach Gottes großem Maßstab der Gerechtigkeit prüfen. Das Gesetz ist ein Spiegel, der die Vollkommenheit eines gerechten Charakters zeigt und den Menschen befähigt, seine Fehler einzusehen.GK 467.2
Das Gesetz offenbart dem Menschen seine Sünde; aber es sieht keinen Heilsweg vor. Während es dem Gehorsamen Leben verheißt, erklärt es, daß der Tod das Los des Übertreters ist. Das Evangelium Christi allein vermag ihn von der Verdammnis oder von der Befleckung der Sünde zu befreien. Er muß Buße tun vor Gott, dessen Gesetz er übertreten hat, und an Christus, sein Sühnopfer, glauben. Dadurch werden ihm seine Sünden vergeben, und er wird Teilhaber der göttlichen Natur. Er ist ein Kind Gottes und hat den Geist der Kindschaft empfangen, durch den er ausruft: „Abba, lieber Vater!“ Römer 8,15. GK 467.3
Was sagte Jesus in Matthäus 5,17–18 über das Gesetz?
Es ist der Schöpfer des Menschen, der Stifter des Gesetzes, der hier erklärt, daß es nicht seine Absicht sei, diese Gebote beiseite zu stellen. Die gesamte Schöpfung, vom Stäubchen im Sonnenstrahl bis zu den Weltenkörpern in unermeßlicher Ferne, unterliegt Gesetzen. Ordnung und Einklang der natürlichen Welt hängen von der Beachtung dieser Gesetze ab. Nun gibt es aber auch ein Gesetz der Gerechtigkeit, dem das Leben aller vernünftigen Wesen unterliegt. Von der Einheit mit diesem Gesetz hängt das Wohl und Wehe des ganzen Weltalls ab. Noch ehe es überhaupt eine Erde gab, war das Gesetz Gottes. Engel sind ihm untertänig, und wenn die Erde mit dem Himmel in Einklang stehen soll, muß auch der Mensch nach den göttlichen Richtlinien handeln. Christus machte schon in Eden die Menschen mit dem Gesetz bekannt, da „mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne“. Hiob 38,7. Die Sendung Christi auf Erden bestand nicht darin, das Gesetz aufzulösen, sondern durch seine Gnade den Menschen zum Gehorsam gegen die göttlichen Vorschriften zurückzuführen. BL 43.2
Der Lieblingsjünger des Herrn, der auch zu der Hörergemeinde auf dem Berge gehört hatte, schrieb lange danach, durch den Heiligen Geist getrieben, daß das Gesetz für immer bindend sei. Aus seiner Feder stammt das Wort: „Die Sünde besteht in der Übertretung des Gesetzes“, und „jeder, der Sünde tut, übertritt das Gesetz“. 1.Johannes 3,4. Er zeigt deutlich, welches Gesetz er damit meint, nämlich „das alte Gebot, das ihr habt von Anfang gehabt“. 1.Johannes 2,7. Er spricht von dem Gesetz, das schon bei der Schöpfung bestand und auf dem Berge Sinai erneut verkündet wurde. BL 43.3
Und von diesem Gesetz sagt Jesus: „Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Er bedient sich hier des Wortes „erfüllen“ in demselben Sinn wie vorher, als er Johannes dem Täufer seine Absicht kundtat, „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Matthäus 3,15), d.h. das Maß der Gesetzesbefolgung vollzumachen und damit ein Beispiel vollkommener Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu geben. BL 44.1
Seine Sendung bestand darin, „daß er sein Gesetz herrlich und groß mache“. Jesaja 42,21. Er sollte die geistliche Beschaffenheit des Gesetzes offenbaren, seine allumfassenden Grundlagen aufdecken und seine ewige Gültigkeit darlegen. BL 44.2
O Jesus in Deiner Schöne, was sind die ehrenhaftesten und edelsten Menschen gegen Dich! Du, von dem der Geist der Weissagung durch Salomo schrieb, daß Du seies „auserkoren unter Tausenden … und lieblich“ (Hohelied 5,10-16); von dem David, als er Dich im Gesicht schaute, sprach: „Du bist der Schönste unter den Menschenkindern“ (Psalm 45,3); der du bist das Ebenbild Deines Vaters, der Abglanz seiner Herrlichkeit; Du, Dich opfernder Erlöser, warst auf Deinem Liebesgang über die Erde ein lebendiges Gesetz Gottes! Durch Dein Leben ist es offenbar geworden, daß die Liebe von oben, daß christliche Lebensführung auf den Gesetzen der ewigen Gerechtigkeit beruht.[Der folgende Abatz ist nach dem englischen Original zitiert.] Die göttliche Schönheit des Charakters Christi, von dem selbst die edelsten und sanftesten Menschen nur ein schwaches Abbild sind; von dem Salomo unter der Inspiration des Geistes schrieb, daß er „auserkoren unter vielen Tausenden ... und lieblich“ sei (Hohelied 5,10-16); von dem David, als er ihn in einem Gesicht sah, sprach: „Du bist der Schönste unter den Menschenkindern“ (Psalm 45,3) — Jesus, das Ebenbild des Vaters, der Abglanz seiner Herrlichkeit, der sich selbst verleugnende Erlöser, der aus Liebe auf der Erde weilte, war während seines ganzen Erdenlebens ein lebendiges Zeugnis für den Charakter des Gesetzes Gottes. Sein Leben offenbart, daß Liebe, die im Himmel ihren Ursprung hat, und christusähnliche Prinzipien die Grundlage für die Gesetze ewiger Rechtschaffenheit bilden. BL 44.3
Jesus sagte: „Bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.“ Durch seinen eigenen Gehorsam gegen das Gesetz hat Christus dessen Unwandelbarkeit bezeugt und den Beweis erbracht, daß alle Söhne und Töchter Adams auch diesen vollkommenen Gehorsam aufbringen können. Auf dem Berge erklärte er, daß nicht ein Pünktchen vom Gesetz vergehen werde, bis alles sich erfüllt habe alles, was dem Menschengeschlecht bestimmt ist und sich auf den Erlösungsplan bezieht. Er lehrt nicht, daß das Gesetz jemals abgeschafft werden soll, richtet dagegen das Auge nach dem äußersten Punkt des menschlichen Blickfeldes und versichert uns, daß das Gesetz in Kraft bleiben werde, bis wir dort angelangt sind, damit ja niemand annehmen könne, seine Sendung habe auf die Auslöschung der heiligen Vorschriften abgezielt. Solange Himmel und Erde bestehen, wird auch das heilige Gesetz Gottes bleiben. Seine Gerechtigkeit wird bestehen „wie die Berge Gottes“ (Psalm 36,7), wird eine Segensquelle sein, von der erquickende Wasser sich über die Erde ergießen. BL 44.4
Jesus schließt die Bergpredigt, indem er seinen Zuhörern eine eindringliche letzte Herausforderung mit auf den Weg gibt. Was war das? Lies Matthäus 7,24–29
Jesus beendete seine Bergpredigt mit einem Bilde, das mit überraschender Deutlichkeit betonte, wie wichtig es sei, das Gehörte auch in die Tat umzusetzen. Unter den Zuhörern des Heilandes befanden sich viele, die ihr ganzes Leben in der Gegend des Galiläischen Meeres zugebracht hatten. Von dem Abhang aus, wo sie den Worten Christi lauschten, konnten sie Täler und Schluchten sehen, durch die die Bergbäche sich ihren Weg zum See bahnten. Im Sommer trockneten diese Flüsse oft völlig aus und hinterließen nur ein sandiges Bett. Wenn jedoch die Winterstürme über die Berge brausten, wurden die Bäche zu wilden, reißenden Strömen und überschwemmten dabei mitunter die Dörfer, die die unaufhaltsame Flut einfach forttrug. Selbst die Hütten, die die Bauern sich auf den Grasebenen, scheinbar außerhalb des Gefahrengebiets, erbaut hatten, wurden oft mit fortgerissen. Oben auf den Bergen jedoch gab es auch auf Felsen gebaute Häuser. In manchen Gegenden gab es sogar ganz feste Gebäude, die schon tausend Jahre lang den Stürmen standgehalten hatten. Sie waren mit großer Mühe und unter bedeutenden Schwierigkeiten errichtet worden. Man konnte nicht leicht hingelangen, und ihre Lage erschien unwirtlicher als die in der grünen Ebene. Doch sie waren auf Felsen gegründet, und Winde, Fluten und Stürme umtosten sie vergebens. BL 121.2
Dem Menschen, der sein Haus auf den Felsen baut, ist nach dem Worte Jesu jeder gleich, der seine Worte aufnimmt und sein Wesen und Leben darauf gründet. Jahrhunderte vorher schon hatte der Prophet Jesaja geschrieben: „Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ Petrus führte diese Worte des Propheten noch viele Jahre nach der Bergpredigt an und fügte hinzu: „Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.“ Jesaja 40,8; 1.Petrus 1,25. Das Wort Gottes ist der einzige Halt in dieser Welt. Es ist ein sicherer Grund. Jesus sagt davon: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Matthäus 24,35. Die erhabenen Grundlagen des Gesetzes, die im Wesen Gottes offenbart sind, haben auch ihren Ausdruck in der Bergpredigt Christi gefunden. Wer darauf baut, baut auf Christus, den ewigen Fels. Wenn wir das Wort aufnehmen, nehmen wir Christus auf. Ja, nur wer so sein Wort aufnimmt, baut auch auf ihn. „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ „In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.“ 1.Korinther 3,11; Apostelgeschichte 4,12. Christus, das Wort, die Offenbarung Gottes, die Verwirklichung seines Wesens, seines Gesetzes, seiner Liebe, seines Lebens, ist der einzige Grund, auf dem wir unsere Persönlichkeit aufbauen und unerschüttert bleiben können. BL 122.1
Wir bauen auf Christus, wenn wir seinem Worte folgen. Nicht der ist gerecht, der sich nur der Gerechtigkeit freut, sondern der sie übt. Heiligung ist nicht nur glückseliges Gefühl; sie ist die Folge einer vollständigen Hingabe an Gott. Sie ist die Ausführung des Willens unseres Vaters im Himmel. Als die Kinder Israel sich an der Grenze des verheißenen Landes lagerten, genügte es ihnen nicht, Kunde von Kanaan zu haben oder Kanaans Lieder zu singen. Dadurch allein kamen sie nicht in den Besitz der Weinberge, Olivenhaine und Äcker. Die waren erst dann ihr Eigentum, als sie davon Besitz ergriffen, und dazu mußten sie die Bedingungen erfüllen, indem sie lebendigen Glauben an Gott bekundeten, sich seine Verheißungen zu eigen machten und auch seinen Befehlen gehorchten. BL 122.2
Religion besteht darin, die Worte Christi zu erfüllen, aber nicht etwa, um damit Gottes Gnade zu verdienen; denn das ist unmöglich, weil wir die Gabe seiner Liebe empfangen haben. Christus macht die Seligkeit des Menschen nicht von seinem bloßen Bekenntnis, sondern von seinem Glauben abhängig, der in Werken der Gerechtigkeit seinen Ausdruck finden muß. Von den Nachfolgern Christi wird die Tat, nicht das Wort allein, erwartet. Durch die Tat baut sich die Persönlichkeit. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Römer 8,14. Nicht deren Herzen der Geist berührt, nicht die sich dann und wann von ihm leiten lassen, sondern die der Geist Gottes treibt, die sind Kinder Gottes.BL 123.1
Hast du den Wunsch, ein Jünger Christi zu werden, und weißt nicht, wie du es beginnen sollst? Bist du in der Finsternis und kennst nicht den Weg zum Licht? Folge nur dem Licht, das du hast. Bestimme dein Herz zum Gehorsam gegen das, was dir aus dem Worte Gottes bekannt ist. Seine Kraft, ja sein Leben wohnt diesem Wort inne. Wenn du das Wort im Glauben aufnimmst, erhältst du daraus Kraft zum Gehorsam. Wenn du auf das Licht achtest, das du hast, wird dein Licht sich mehren. Du baust auf Gottes Wort, und deine Persönlichkeit wird so nach dem Vorbilde Christi gebaut. BL 123.2
Christus, der wahre Grund, ist ein lebendiger Stein. Sein Leben wird allen zuteil, die sich auf ihn gründen. „Bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause.“ „Auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.“ 1.Petrus 2,5; Epheser 2,21. Die Steine bilden mit dem Grunde ein Gefüge; denn in allen webt das gleiche Leben. Kein Sturm kann diesen Bau erschüttern; denn alles, was göttlichen Lebens teilhaftig wird, überdauert damit das andere. BL 123.3
Jeder Bau aber, der einen anderen Grund hat als Gottes Wort, wird zusammenstürzen. Wer den Juden zur Zeit Christi gleich auf den Grund menschlicher Meinungen und Ansichten baut, sich auf Formen und Formeln menschlicher Herkunft verläßt oder auch auf Werke, die er ohne die Gnade Christi zu tun vermag, baut seine Persönlichkeit auf lockeren Sand. Die furchtbaren Wasser der Versuchung werden den Grund unterspülen, und sein Haus wird als Wrack an den Strand der Zeit geschwemmt. „Darum spricht Gott der Herr:... Ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die falsche Zuflucht zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen.“ Jesaja 28,16,17. BL 123.4
Doch heute ist noch Barmherzigkeit für den Sünder vorhanden. „So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?“ Hesekiel 33,11. Die Stimme, die noch heute zu den Unbußfertigen spricht, ist die Stimme dessen, der beim Anblick der geliebten Stadt in seinem Herzenskummer ausrief: „Jerusalem, Jerusalem, ... wie oft habe ich wollen deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihr Nest unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Sehet, euer Haus soll euch wüste gelassen werden“. Lukas 13,34.35. Jerusalem war sinnbildlich für die Welt, die seine Gnade verwarf und verachtete. Er klagte, du trotziges Herz, auch über dich! Als Jesus auf dem Berge weinte, hätte die Stadt Jerusalem im Falle der Reue ihrem Untergang entgehen können. Ein wenig noch harrte die Gabe Gottes ihrer Annahme. Und so spricht Christus auch zu dir, o Mensch, im Tonfall der Liebe: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ „Jetzt ist die angenehme Zeit, ... jetzt ist der Tag des Heils!“ Offenbarung 3,20; 2.Korinther 6,2. Die ihr eure Hoffnung auf euch selbst setzt, ihr baut auf Sand. Aber noch ist‘s nicht zu spät, der nahenden Gefahr zu entrinnen. Fliehe auf den sicheren Grund, ehe der Sturm losbricht! So „spricht Gott der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist“. „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden.“ „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Ihr werdet „nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich“. Jesaja 28,16; Jesaja 45,22; Jesaja 41,10; Jesaja 45,17. BL 124.1