„Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Lukas 14,11
Wir sollten alles meiden, was den Stolz und übergroßes Selbstvertrauen ermutigen kann, sollten uns deshalb in acht nehmen, Schmeicheleien oder Lobpreisungen anzunehmen oder zu geben. Das Schmeicheln ist Satans Werk. Er schmeichelt, er beschuldigt und verdammt. Auf diese Weise versucht er das Verderben der Seele herbeizuführen. Wer Menschen schmeichelt, wird von Satan als sein Werkzeug benutzt. Die Arbeiter Christi sollten jede Lobeserhebung von sich abweisen; das eigene Ich sollte aus den Augen verloren werden. Christus allein soll erhöht werden. Auf ihn, „der uns geliebet hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut“ (Offenbarung 1,5), werde ein jedes Auge gewiesen und ein jedes Herz lobe ihn. CGl 159.2
„Stolz und Schwäche des Glaubens berauben viele der reichen Segnungen Gottes. Es gibt viele, die, wenn sie ihr Herz nicht vor dem Herrn demütigen, überrascht und enttäuscht sein werden, wenn der Ruf ertönt: ‚Siehe, der Bräutigam kommt.‘ Matthäus 25,6. Sie haben die Theorie der Wahrheit, aber sie haben kein Öl in ihren Gefäßen bei ihren Lampen. Unser Glaube darf sich in dieser Zeit nicht darauf beschränken, der Lehre der dritten Engelsbotschaft zuzustimmen oder an sie zu glauben. Wir müssen das Öl der Gnade Christi haben, das die Lampe nährt und das Licht des Lebens erstrahlen lässt, um denen den Weg zu weisen, die in der Finsternis sind.“ CH 128.3
Lies 1. Johannes 2,15–17. Welche drei Hauptpunkte lehrt dich dieser Abschnitt über Stolz und die Liebe zur Welt?
„Christus hat uns vor dem Stolz des Lebens gewarnt, aber nicht vor dessen Anmut und natürlicher Schönheit. Er wies auf die Blumen auf dem Feld hin, auf die Lilie, die sich in ihrer Reinheit entfaltet, und sagte: ‚Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von diesen.‘ Matthäus 6,29. So veranschaulicht Christus anhand der Dinge der Natur die Schönheit, die der Himmel schätzt: die bescheidene Anmut, die Einfachheit, die Reinheit, die Angemessenheit, die unsere Kleidung für Ihn ansprechend machen würden. Das schönste Gewand fordert Er uns auf, auf der Seele zu tragen. Keine äußere Zierde kann sich in Wert oder Lieblichkeit mit jenem „sanften und stillen Geist“ messen, der in Seinen Augen „von großem Wert“ ist. 1. Petrus 3,4....“ CT 303.3
Nicht nur wird das Wachstum des Reiches Christi durch das Gleichnis vom Senfkorn veranschaulicht, sondern in dem Stufengang seines Wachstums wird die im Gleichnis vorgeführte Erfahrung wiederholt. Der Herr hat für seine Gemeinde in jedem Zeitalter eine besondere Wahrheit und eine besondere Aufgabe. Die Wahrheit, welche den weltlich Weisen und Klugen verborgen ist, wird den kindlich Einfältigen und Demütigen offenbart. Sie verlangt Selbstaufopferung, sie hat Kämpfe zu bestehen, Siege zu gewinnen und findet anfänglich nur wenige Verteidiger. Die großen Männer der Welt und eine sich der Welt anpassende Kirche widerstehen ihr und verachten sie. Seht Johannes den Täufer, den Vorläufer Christi, allein dastehen und den Stolz und das Formenwesen des jüdischen Volkes rügen! Wie hoffnungslos schien die Mission des Paulus und des Silas, der beiden Zelt- und Teppichmacher, als sie sich mit ihren Gefährten in Troas nach Philippi einschifften! Beschaut den „alten Paulus“ in Ketten, wie er in der Feste der Cäsaren Christum predigt! Heftet euren Blick auf die aus Sklaven und Bauern bestehenden kleinen Gemeinden im Kampf mit dem Heidentum des kaiserlichen Roms! Betrachtet Martin Luther, wie er jener mächtigen Kirche widersteht, die das Meisterwerk dieser Weltweisheit ist! Stellt euch ihn vor, wie er gegen Kaiser und Papst am Worte Gottes festhält und erklärt: „Hier stehe ich; ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Schaut Johannes Wesley an, wie er inmitten des Formenwesens der Sinnlichkeit und des Unglaubens Christum und seine Gerechtigkeit predigt! Malt euch einen Menschen vor Augen, dem das Wehe der Heidenwelt so zu Herzen geht, daß er um das Vorrecht bittet, dahin die Botschaft der Liebe Christi bringen zu dürfen! Hört die Antwort der Geistlichkeit: „Setzen Sie sich, junger Mann, wenn Gott die Heiden bekehren will, so wird er es ohne Ihre oder mein Hilfe tun!“ CGl 77.2
Lies Lukas 18,9–14. Was hältst du von diesen beiden Männern? Was dachte Jesus? Welche wichtige Lektion gibt es hier für uns alle?
„Einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern“, erzählte Christus das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Lukas 18,9-14. Der Pharisäer geht in den Tempel, um zu beten — nicht etwa, weil er spürt, dass er Vergebung seiner Sünden braucht, sondern weil er in seiner Selbstgerechtigkeit bestätigt werden möchte. Für ihn ist Beten eine Leistung, mit der er bei Gott glänzen und vor seinen Mitmenschen besonders fromm erscheinen kann. Es geht ihm also darum, bei Gott und in seiner Umgebung hoch angesehen zu sein. Egoismus ist das Motiv für sein Gebet. BRG 118.1
Und er ist zutiefst von sich überzeugt. Das zeigt sich in seinem Gesichtsausdruck, seinem Gang, seinem Gebet. Er sondert sich von den anderen ab, als wollte er sagen: „Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig.“ Jesaja 65,5. So steht er da und betet „bei sich selbst“. Lukas 18,11 (EB). Zutiefst mit sich zufrieden, glaubt er, dass Gott und Menschen ihn genauso in Ordnung finden. BRG 118.2
„Ich danke dir, Gott“, sagt er, „dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.“ Lukas 18,11. Nicht das heilige Wesen Gottes betrachtet er als Maßstab für sein Leben, sondern das Verhalten anderer Leute; seine Gedanken sind auf Menschen statt auf Gott gerichtet. Das ist der Grund für seine Selbstzufriedenheit.BRG 118.3
Nun zählt er seine guten Werke auf: „Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“ Lukas 18,12. Die Religionsausübung des Pharisäers ist rein formal und lässt sein Herz unberührt. Er hat kein Bedürfnis danach, seinen Charakter immer gottähnlicher werden und sein Herz mit Liebe und Mitgefühl erfüllen zu lassen. Ihm genügt eine Religion, die nur sein äußeres Leben berührt. Seine Gerechtigkeit verleiht er sich selber — sie ist für ihn das Ergebnis seiner Werke —, und er misst sie mit menschlichem Maß. BRG 118.4
Der Selbstgerechte wird immer zwangsläufig auf andere herabsehen. So wie der Pharisäer sich an anderen misst, so legt er seinen eigenen Maßstab bei seiner Umgebung an. Er vergleicht seine Gerechtigkeit mit der ihren, und je schlechter sie sind, desto besser schneidet er ab. Seine Selbstgerechtigkeit verleitet ihn dazu, sich zum Ankläger aufzuschwingen. Er verdammt „die andern Leute“ als Übertreter von Gottes Gesetz und bekundet dadurch doch nur den Geist Satans, der ja der „Verkläger unserer Brüder“ (Offenbarung 12,10) genannt wird. Mit einer solchen Einstellung kann er unmöglich Gemeinschaft mit Gott haben. Er geht nach Hause zurück, ohne den Segen Gottes empfangen zu haben. BRG 119.1
Was sagt uns Hebräer 11,24–26 darüber, warum Mose einen anderen Weg wählte und sich demütigte?
Nach den ägyptischen Gesetzen mußten alle Inhaber des Pharaonenthrones Mitglieder der Priesterkaste werden. Und als der mutmaßliche Erbe mußte auch Mose in die Geheimnisse der Staatsreligion eingeführt werden. Diese Aufgabe fiel den Priestern zu. Aber obwohl er ein eifrig und unermüdlich Lernender war, ließ er sich nicht dazu bewegen, an der Anbetung der Götter teilzunehmen. Obwohl man ihm den Verlust der Krone androhte und ihn warnte, daß die Prinzessin ihn verstoßen würde, wenn er bei dem Glauben der Hebräer beharrte, blieb er unerschütterlich bei seinem Entschluß, nur den einen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden, zu ehren. Er suchte Priester und Anbeter zu überzeugen und zeigte ihnen die Torheit abergläubischer Verehrung toter Dinge. Niemand konnte seine Beweisgründe widerlegen oder gar seinen Sinn ändern, doch duldete man zu dieser Zeit solche Festigkeit noch mit Rücksicht auf die hohe Stellung und die Gunst, die er bei König und Volk genoß. PP 223.4
„Durch den Glauben wollte Mose, als er groß ward, nicht mehr ein Sohn heißen der Tochter des Pharao, sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes Ungemach leiden, als den vergänglichen Genuß der Sünde haben, und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah hin auf die Belohnung.“ Hebräer 11,24-26. Mose war durchaus fähig, eine vorrangige Stellung unter den Großen der Erde einzunehmen, am Hof des berühmtesten Königreichs zu glänzen und es mit Machtfülle zu regieren. Durch seine geistige Bedeutung zeichnete er sich vor den großen Männern aller Zeiten aus. Als Geschichtsschreiber, Dichter, Weltweiser, Heerführer und Gesetzgeber sucht er seinesgleichen. Doch obwohl sich ihm die allergrößten Möglichkeiten boten, hatte er die sittliche Kraft, die verlockenden Aussichten auf Reichtum, Macht und Ruhm zu verschmähen, „sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes Ungemach leiden, als den vergänglichen Genuß der Sünde haben“. Hebräer 11,24-26. PP 224.1
Mose war über die endgültige Belohnung der demütigen, gehorsamen Diener Gottes belehrt worden, und im Vergleich dazu versank irdischer Gewinn in die ihm zukommende Bedeutungslosigkeit. Pharaos prächtigen Palast und den Königsthron stellte man ihm als wohl lockenden Anreiz hin, aber Mose wußte auch, daß an den stolzen Höfen sündliche Vergnügungen wohnten, die den Menschen Gott vergessen ließen. Er schaute über Palast und Königskrone hinaus auf die hohen Ehrungen, die den Heiligen des Höchsten in einem Königreich ohne Sünde verliehen werden. Im Glauben sah er eine unvergängliche Krone, die der König des Himmels den Überwindern aufs Haupt setzen wird. Und dieser Glaube bewog ihn, sich von den irdischen Herrschern abzuwenden und sich dem anspruchslosen, armen, verachteten Volk anzuschließen, das lieber Gott gehorchen als der Sünde dienen wollte. PP 224.2
Lies in Lukas 22,24–27 die Antwort Jesu auf den Streit der Jünger darüber, was Größe bedeutet. Welche Aussage erfasst den Kern der Botschaft Jesu in diesen Versen?
Es war „ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden“. Lukas 22,24. Dieser Streit, den sie auch in Jesu Gegenwart noch fortsetzten, betrübte und verletzte den Heiland. Die Zwölf klammerten sich an ihren Lieblingswunsch, daß ihr Meister seine Macht durchsetzen und vom Thron Davids Besitz nehmen möchte, und in seinem Herzen sehnte sich jeder danach, in diesem Reich der Größte zu sein. Sie hatten sich untereinander abschätzend betrachtet; aber statt ihren Bruder für würdiger zu achten, hatten sie sich selbst auf den ersten Platz gesetzt. Die Bitte des Jakobus und des Johannes an Jesus, zur Rechten und Linken seines Thrones sitzen zu dürfen, hatte den Unwillen der anderen hervorgerufen. Daß die beiden Brüder es gewagt hatten, nach dem höchsten Platz an der Seite Jesu zu fragen, erregte die Zehn so sehr, daß sie sich einander zu entfremden drohten. Sie fühlten sich falsch beurteilt, sie fühlten ihre Treue und ihre Begabung nicht richtig gewürdigt; besonders Judas stritt sehr heftig gegen Jakobus und Johannes. LJ 642.3
Noch beim Eintritt in den Saal waren die Herzen der Jünger mit Groll erfüllt. Judas drängte sich an Jesu linke Seite, Johannes ging auf der andern. Wenn es einen höchsten Platz gab dann war Judas entschlossen, ihn einzunehmen, und dieser Platz mußte sich in nächster Nähe des Herrn befinden. Und Judas war ein — Verräter. LJ 643.1
Eine andere Ursache der Uneinigkeit kam auf. Zu dem Fest war es Brauch, daß ein Diener den Gästen die Füße wusch, und dafür waren die entsprechenden Vorbereitungen getroffen worden. Krug, Schüssel und Handtuch waren bereit. Die Fußwaschung konnte beginnen. Da aber kein Diener anwesend war, gehörte es zur Aufgabe der Jünger, diesen Dienst zu erfüllen. Doch keiner der Jünger konnte sich entschließen, seinen verwundeten Stolz aufzugeben und sich als Diener zu betätigen. Alle zeigten eine sture Gleichgültigkeit, ohne sich dessen bewußt zu sein, daß hier etwas für sie zu tun war. Durch ihr Stillschweigen weigerten sie sich, sich zu demütigen. LJ 643.2
Wie konnte Jesus diese armen Seelen dahin bringen, daß Satan keinen größeren Einfluß auf sie gewann? Wie konnte er ihnen verständlich machen, daß nicht allein das Bekenntnis der Jüngerschaft sie zu seinen Nachfolgern machte oder ihnen einen Platz in seinem Reich sicherte? Wie konnte er ihnen zeigen, daß wahre Größe in echter Demut und im Dienst für andere besteht? Wie konnte er Liebe in ihren Herzen entzünden? Wie konnte er die Liebe in ihre Herzen pflanzen und sie befähigen, das zu verstehen, was er ihnen sagen wollte? LJ 643.3
Die Jünger machten keinerlei Anstalten, einander zu dienen. Jesus wartete eine Weile, um zu sehen, was sie tun würden, dann erhob er sich von der Tafel, legte das störende Oberkleid ab, „nahm einen Schurz und umgürtete sich“. Erstaunt sahen die Jünger zu; schweigend warteten sie, was nun folgen würde. „Danach goß er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.“ Johannes 13,4.5. Diese Handlung Jesu öffnete ihnen die Augen, und bittere Scham erfüllte ihre Herzen; sie fühlten sich gedemütigt. Sie verstanden den unausgesprochenen Tadel und sahen sich selbst in einem ganz neuen Licht. LJ 644.1
Lest Lukas 22,27 noch einmal. Was ist hier die zentrale Botschaft für alle Nachfolger Christi?
Absichten voll unendlicher Barmherzigkeit gingen gerade durch die Enttäuschung der Jünger in Erfüllung. Während ihre Herzen von der göttlichen Anmut und von der Macht der Lehre dessen, der da redete, wie noch nie ein Mensch geredet (Johannes 7,46) hatte, gewonnen worden waren, zeigte es sich, daß mit dem reinen Gold ihrer Liebe zu Jesus doch noch die wertlose Schlacke weltlichen Stolzes und selbstsüchtigen Ehrgeizes vermengt war. Noch im oberen Saal, wo alles für das Essen des Passahlammes vorbereitet stand, in jener feierlichen Stunde, da der Meister schon in den Schatten Gethsemanes trat, „erhob sich ... ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden“. Lukas 22,24. Ihnen schwebte das Bild des Thrones, der Krone und der Herrlichkeit vor Augen, während doch die Schmach und Seelenangst im Garten Gethsemane, das Richthaus und das Kreuz auf Golgatha vor ihnen lagen. Der Stolz ihres Herzens, ihr Verlangen nach weltlichem Ruhm verleitete sie, hartnäckig an den falschen Lehren ihrer Zeit festzuhalten und die Worte des Heilandes, welche die wahre Beschaffenheit seines Reiches beschrieben und auf seine Leiden und seinen Tod hinwiesen, unbeachtet zu lassen. Und diese Irrtümer führten zu der schweren aber notwendigen Prüfung, die zu ihrer Besserung zugelassen wurde. Obgleich die Jünger den Sinn ihrer Botschaft verkehrt aufgefaßt hatten und sie ihre Erwartungen nicht verwirklicht sahen, so hatten sie doch die ihnen von Gott aufgetragene Warnung verkündigt, und der Herr wollte ihren Glauben belohnen und ihren Gehorsam ehren. Ihnen sollte das Werk anvertraut werden, das herrliche Evangelium von ihrem auferstandenen Herrn unter allen Völkern zu verbreiten. Um sie darauf vorzubereiten, mußten sie durch die ihnen so bitter erscheinende Erfahrung hindurchgehen. GK 351.2
Lies Philipper 2,3–8. Was sagen uns diese Verse darüber, wie wir im Licht des Kreuzes leben sollten?
Der Heiland will hier auf die Ehrlichkeit in unseren Absichten und auf die ungeteilte Hingabe an Gott den Nachdruck legen. Wer aufrichtig und zielstrebig die Wahrheit zu erkennen und ihr um jeden Preis zu gehorchen sucht, dem wird göttliche Erleuchtung zuteil werden. BL 77.1
Wahre Frömmigkeit beginnt dort, wo jede Freundschaft mit der Sünde aufhört. Dann werden wir mit dem Apostel Paulus auch von Herzen sagen: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich nach dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus ... um welches willen mir das alles ein Schaden geworden ist, und achte es für Kot, auf daß ich Christus gewinne.“ Philipper 3,13.14.8. BL 77.2
Wo aber das Auge durch Eigenliebe geblendet ist, da ist eitel Finsternis. „Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.“ Diese schreckliche Nacht war es, die die Juden in starren Unglauben hüllte und es ihnen unmöglich machte, Wesen und Werk dessen zu erkennen, der gekommen war, sie von ihren Sünden zu erretten. BL 77.3
Jesus hat niemals jemanden gebeten, seine Religion anzunehmen, sondern er bat sie, ihm zu „folgen“, einer seiner Jünger zu sein. Der reiche junge Herrscher konnte dem Herrn nicht folgen, weil sein Herz auf seinen eigenen Reichtum ausgerichtet war. Und Nikodemus konnte dem Herrn nicht folgen, weil er zu stolz war, um in der Gesellschaft des unbeliebten und verhassten Jesus gesehen zu werden, dem bescheidene Fischer folgten. Um die Hindernisse zu beseitigen, musste der eine seinen Reichtum ablegen, und der andere musste seinen Stolz ablegen. Um den Stolz auszurotten, muss man wiedergeboren werden, muss ein neuer Mensch werden. Aber um die Liebe zum Geld auszurotten, muss man sein Geld denen geben, die es wirklich brauchen.
Heute loben unsere großen religiösen Denker jene Männer in den höchsten Tönen, die vor Jahrhunderten die Saat der Wahrheit streuten, und setzen ihnen Denkmäler. Aber ist es nicht so, dass viele sich von diesem Werk abwenden und das niedertrampeln wollen, was auch heute noch aus derselben Saat aufkeimt? So wiederholt sich der alte Ruf: „Wir wissen, dass Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser [Christus in Gestalt des von ihm gesandten Boten] ist, wissen wir nicht.“ Johannes 9,29. Wie früher sind auch in unserer Zeit die aktuellen Wahrheiten nicht bei den großen Kirchenführern zu finden, sondern bei Männern und Frauen, die weder zu gelehrt noch zu arrogant sind, um an das Wort Gottes zu glauben.BRG 59.3
„Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist ... damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ 1.Korinther 1,26-28; 1.Korinther 2,5.BRG 60.1